Die Ausstattung der Hausapotheke
6. Mittel gegen Erkältungskrankheiten
Grippetabletten
Wenn es unerlässlich ist und die Beschwerden, wie "Triefnase" und dumpfer Kopfdruck, das Leben und Arbeiten annähernd unerträglich machen, man aber nicht "krankfeiern" kann, dann ist zur Beschwerdelinderung die Einnahme von einfachen Präparaten aus Acetylsalicylsäure vertretbar. Grundsätzlich ist bei Fieber (Temperatur über 38°C) Bettruhe zu empfehlen.
Wichtig ist für Träger von Kontaktlinsen: Mittel gegen Kopfschmerzen und grippale Erscheinungen können die Augenbindehaut austrocknen, so dass scheinbar unerklärliche Reizungen der Schleimhaut auftreten!
Schweißtreibender Tee, "Grippetee"
Unter diesem populären Begriff werden im Allgemeinen zwei Drogen verstanden, nämlich "Fliederblüten" oder richtiger: Holunderblüten und Lindenblüten, die man sich am besten in der Apotheke frisch mischen lässt. Heiße Aufgüsse dieser Drogen sollen auch möglichst heiß getrunken werden. Sie unterstützen die Selbstheilungskräfte bei Erkältungskrankheiten durch eine "Schwitzkur". Zu beachten ist dabei, dass mit einer solchen Kur ausschließlich kreislaufstabile und normal gesunde Patienten belastet werden dürfen. Sinnvoll ist allerdings die Zufuhr von möglichst mindestens einem Liter heißen Tees.
Mittel gegen Husten
Eines der häufigsten Symptome bei Erkältungskrankheiten ist der Husten, der in drei Varianten vorkommt: Von der Art des Hustens hängt die Behandlung ab.
1. trockener Reizhusten,
2. nicht produktiver Husten bei Verschlei- mung der Atemwege und
3. produktiver, schleimabsondernder Husten
Völliges Unterdrücken des Hustens ist oft nicht sinnvoll, vielmehr kommt es auf Schleimverflüssigung und Funktionsunterstützung der Atmungsorgane an. "Hustenblocker" bestehen meist aus synthetischen Stoffen und sollten ausschließlich auf ärztliche Verordnung angewendet werden. "Hustenlösen" ist ein Problem in jedem Lebensalter. Die größte Gruppe der gegen Husten wirksamen Arzneimittel kommt aus dem Reich der Heilpflanzen. Extrakt aus Sonnentaukraut wirkt hustenreizdämpfend.
Hustenreizlindernd wirken auch die Schleimdrogen Eibischwurzel, Huflattichblätter, isländisches Moos und Spitzwegerichblätter. Sie können in Bronchialtees enthalten sein. Als Fertigarzneimittel aus isländisch Moos kommen Pastillen zum Lutschen in Frage.
Schleimlösende Drogen mit ätherischen Ölen sind Anisfrüchte, Fenchelfrüchte, Eukalyptusblätter und Thymiankraut. Anis- und Fenchelfrüchte werden als Bestandteile von Teemischungen gebraucht. Aus Eukalyptusblättern wird das ätherische Öl gewonnen und zum Inhalieren verwendet. Thymiankraut enthält ein ätherisches Öl mit starker Desinfektionswirkung. Thymianextrakte sind aus diesem Grunde die meistverwendeten Hustenmittel als Säfte oder Tropfen.
Ätherische Öle wirken in den Atemwegen entzündungswidrig, krampflösend, schleimverflüssigend und zum Teil anregend auf die Arbeit der Bronchialschleimhaut.
Zahlreiche Kombinationspräparate enthalten Thymianextrakt als Hauptbestandteil. Am bekanntesten sind Eukalyptusöl, Minzöl (japanisches), Pfefferminzöl und Kiefernnadelöl. Sie werden meist durch Destillation gewonnen, von Haut und Schleimhaut sehr leicht aufgenommen, wirken rasch in den Atemwegen und eignen sich besonders als Tropfen oder Kapseln zum Einnehmen, zu Inhalationen, Bädern, sowie Salben und Einreibungen (so genannte Trockeninhalationen). Minzöl erfreut sich als "Allheilmittel" breiter Beliebtheit. Es ist zu beachten, dass bei unsachgemäß hoher Dosierung Brennen auf Schleimhäuten eintreten kann und dass die Anwendung bei Kindern unter zwei Jahren wegen bestimmter Risiken unterbleiben muss.
Zu Inhalationen werden meist Drogen oder ätherische Öle in eine Schüssel mit heißem Wasser gegeben und Kopf und Schüssel mit einem Tuch bedeckt. Der in den Haaren zurückbleibende Geruch kann vermieden werden, wenn man einen Inhalator aus Kunststoff verwendet, der ein geschlossenes System mit dem heißen Wasser und Inhalat bildet, in das nur die Nase hineingehalten wird.
Schleimlösende Drogen mit Saponinen (seifenähnliche Wirkstoffe) sind Efeublätter, Primelwurzeln und Süßholzwurzeln. Sie wirken ähnlich wie echte Seifen, "waschen" zähen Schleim oder Schmutzteilchen von der Schleimhaut ab und fördern so den Auswurf. Efeublätter sind als Tee ungeeignet, aber Extrakte daraus sind besonders bei Krampfhusten (wie Keuchhusten) empfehlenswert.
Zur Schleimverflüssigung sind Mittel wie Trinktabletten angebracht.
Bronchialtees, Hustentees werden durch Übergießen geeigneter Drogen mit heißem Wasser bereitet. Instanttees (Pulvertees) enthalten die Drogenwirkstoffe als Trockenextraktpulver. Sie sind in heißem Wasser sofort und leicht löslich und rasch wirksam.
Bronchial- und Hustentees sollten nicht nur getrunken, sondern heiß geschlürft werden, da dann die im Tee enthaltenen ätherischen Öle gleichzeitig inhaliert werden. Oft leiden Patienten unter dem Teufelskreis "Hustenreiz-Schlaflosigkeit-Hustenreiz". Dann kann es angebracht sein, mit einem entsprechenden Präparat erholsamen Schlaf und wirksame Hustenreizstillung herbeizuführen.
Mittel gegen Schnupfen
Schnupfen kann unterschiedliche Ursachen haben. Zuerst sind milde Maßnahmen, wie Dampfbäder mit Kamillentee, Inhalieren von Eukalyptus- oder Latschenkiefernöl oder Anwendung von Salben mit mineralischen oder pflanzlichen Wirkstoffen anzuraten. Die Anwendung von schleimhautabschwellenden Nasensprays ist dann erforderlich, wenn die Nasenschleimhaut sehr stark angeschwollen und die Nasenatmung deutlich erschwert ist.
Dauergebrauch von schleimhautabschwellenden Arzneimitteln kann zu bleibenden Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, führen. Sowohl bei akutem, aber vor allem bei chronischem Sekretstau ist die Verwendung eines pflanzlichen Sekretlösers angebracht.
Bei dauerhaft trockener Nasenschleimaut oder Störungen des Geruchsempfindens ist die mildest mögliche Therapie mit Salzlösungen zu empfehlen.
Mittel gegen Halsschmerzen
Sehr häufig wird über Halsschmerzen geklagt, ohne dass eine ärztliche Diagnose gestellt wird. Dann ist es wenig sinnvoll, ständig irgendwelche örtlich wirksamen Desinfektionsmittel zu lutschen. Schluckbeschwerden können jedoch anfangs mit desinfizierenden oder zusammenziehend wirkenden (adstringierenden) Gurgelmitteln behandelt werden. Zur örtlichen Desinfektion sollten geeignete Lutschtabletten rechtzeitig und konsequent gleichmäßig über 24 Stunden (!) angewendet werden. Gurgeln und Mundspülen mit einer unverdünnten Mischung ätherischer Öle ist ebenso sinnvoll und wirksam. Auch eine rechtzeitig beginnende und konsequent durchgeführte Behandlung mit homöopathischen Mitteln ist aussichtsreich.
Medizinische Badezusätze, Erkältungsbäder
sind keine Reinigungs- oder Duschbäder, sondern sollen dem Körper arzneilich wirksame Stoffe, im Allgemeinen in Form eines Wannenbades, zuführen. Sie sind für Patienten geeignet, die im Allgemeinen kreislaufstabil sind. Mit Ausnahme des Kopfes soll der ganze Körper in das Bad eintauchen. Die Badetemperatur soll zwischen 35° und 40°C liegen, die Badedauer bis zu 20 Min. betragen, wobei der Patient die von der Wasseroberfläche aufsteigenden ätherischen Öle inhaliert.
Mittel zur Anregung des Immunsystems
Normalerweise ist unser Körper darauf eingestellt, Infektionen erfolgreich abzuwehren. In Zeiten erhöhter Infektionsgefahr kann es sinnvoll sein, das Immunsystem bei seiner Abwehrarbeit zu unterstützen.
Auch wiederholte Erkrankungen an grippalen Infekten oder anderen Infektionskrankheiten sind Zeichen für ein schwaches Immunsystem und einen schlechten Allgemeinzustand.
Dann empfiehlt es sich, geeignete Arzneimittel aus dem Frischpflanzenpresssaft des roten Sonnenhutkrauts zu geben. Auch bewährte Kombinationen aus verschiedenen Arzneipflanzen oder homöopathische Kombinationsarzneimittel sind empfehlenswert. Die monatelange oder gar ganzjährige Gabe so genannter Immunmodulantien ist für Kinder wenig sinnvoll, da der Aufbau des eigenen Immunsystems nicht ungestört erfolgen kann.
Das gilt nicht nur für die genannten Arzneimittel, sondern auch für die ununterbrochene Gabe von Vitamin C-Präparaten. Reines Vitamin C ist allerdings für Kinder und Erwachsene vor allem in "Grippezeiten" nach wie vor - neben den erwähnten Arzneimitteln zur Verbesserung der Abwehrlage - unerlässlich. Dieses Vitamin ist leicht wasserlöslich und kann deshalb im Körper praktisch nicht gespeichert werden. Es wird von den Nieren rasch wieder ausgeschieden und muss deshalb meist in größeren Mengen eingenommen werden. Bei magenempfindlichen Personen können die erforderlichen Mengen jedoch zu Übersäuerung und Schleimhautreizungen führen. Diese Probleme können aber mit einem technischen Trick ausgeschaltet werden. Durch besondere Verarbeitung des reinen Vitamins wird eine langsame Auflösung und mehrere Stunden anhaltende gleichmäßige Verteilung in Blut und Gewebe erreicht. Auch die Magenschleimhaut wird auf diese Weise geschont.
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Medizinischer Teil: Apotheker K.-H. Reinhard. Alle Rechte vorbehalten, © 2001 |
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