Die Ausstattung der Hausapotheke
4. Kneipp'sche Wickel oder Packungen
Je nach Indikation werden Wickel trocken oder nass, warm oder kalt, für den ganzen Körper oder einzelne Körperteile, nach genauen Vorschriften ausgeführt. Sie sollen entweder Wärme entziehen, Wärme stauen oder Schweiß treiben.
Dem Wasser, in dem die Umschlagtücher eingeweicht werden, können Extrakte aus Kamillenblüten, Zinnkraut, Eichenrinde oder Haferstroh zur Wirkungsverstärkung beigegeben werden. Am besten werden spezielle Kneipp'sche Wickeltücher verwendet, die man kaufen kann, jedoch kann in der häuslichen Krankenpflege auch improvisiert werden.
Die vorgeschriebenen Tücher werden in drei Lagen aufgelegt. Für den unmittelbaren Hautkontakt sollen sie aus grobem Leinen, das mittlere Tuch aus Baumwolle und das äußere aus Wolle oder Flanell sein. Die Größe der benötigten Tücher richtet sich nach dem zu versorgenden Körperteil. Wickel oder Packungen zum Wärmeentzug (gegen Fieber) werden den Umständen angemessen lange auf dem Körper belassen.
Körperregionen, die mit Packungen oder Wickeln behandelt werden können, sind der Leib, die Lenden, Brust, Waden und der Hals.
Brustwickel
Vor jedem Anlegen eines Brustwickels muss der Patient warm sein und im Bett liegen. Wenn erforderlich, muss vorher ein heißer Tee gereicht oder ein ansteigendes Fußbad durchgeführt werden. Man unterscheidet kalte Brustwickel, die bei akuter Bronchitis, Lungen- und Rippenfellentzündung oder heiße Wickel, die bei chronischer Bronchitis aufgelegt werden. In beiden Fällen ist die Größe der Tücher der Körpergröße der Patienten so anzupassen, dass sie von der Achsel bis zum Rippenbogen reichen. Im Allgemeinen sind das ca. 45 x 190 cm. Das Innentuch wird in entsprechendes Wasser getaucht, gut durchgefeuchtet, ausgewrungen und so dicht an den Körper gelegt, dass keine Luftblasen entstehen. Die beiden übrigen Tücher werden angewärmt und dem sitzenden Patienten bei mittlerer Atemstellung fest an den Körper gezogen. Wenn der Patient nicht innerhalb von 15 Min. warm ist, muss der Wickel abgenommen werden, andernfalls kann er liegen bleiben. Die Verweildauer für wärmeentziehende Wickel beträgt 15 - 20 Min., für wärmestauende Wickel 45 - 75 Min. und für schweißtreibende Wickel 90 - 120 Min. Danach soll der Patient kräftig abfrottiert werden und weiter im Bett liegen bleiben.
Da Zwischen- und Innentuch trocken sind, ermöglichen sie langsames und gleichmäßiges Abdunsten. Die Wickel können bei bettlägerigen Patienten täglich zur gleichen Zeit, jedoch nicht nach Mahlzeiten wiederholt werden. Kalte Wickel sollen nicht bei Kältegefühl des Patienten und heiße nicht bei Fieber ausgeführt werden. Die Zimmertemperatur soll 20 °C betragen. Die Fenster müssen geschlossen sein.
Halswickel
Als unterstützende Maßnahme bei Erkältungskrankheiten sind vor allem Halswickel zu empfehlen. Sie bewirken Wärmeentzug bei fieberhaften Anginen. Der Körper soll bei Anlegen des Wickels warm sein. Bei Frösteln und kalten Füßen muss der Patient erst durch Wärmflasche oder ansteigendes Fußbad erwärmt werden und anschließend im Bett liegenbleiben. Zusätzlich kann ein heißer Tee gereicht werden. Zur Durchführung wird das Innentuch zur Hälfte in kaltes Wasser getaucht, dem etwas Minzöl oder Kamillenextrakt zugefügt werden kann. Dann wird das Tuch mäßig ausgewrungen und glatt um den Hals gelegt. Die trockene Seite wird über die nasse Hälfte weitergewickelt. Darüber wird das Wolltuch ebenso gut anliegend gewickelt und befestigt. So bleibt der Wickel eine halbe bis eine ganze Stunde liegen und kann in gleichen Abständen wiederholt werden.
Wadenwickel
Grundsätzlich ist das Vorgehen bei Wadenwickeln wie auch bei anderen Wickeln beschrieben. Die Größe der speziell für Wadenwickel angefertigten Tücher liegt im Allgemeinen bei ca. 35 x 70 cm.
Kalte Wadenwickel werden bei Fieber im Allgemeinen paarweise angewendet und bleiben jeweils 15 - 20 Min. liegen. Bei hohem Fieber und empfindlichen Patienten können sie auch nur einseitig, dann aber zweimal im Wechsel und nur je ca. 10 Min. aufgelegt werden. Die Gesamtanwendungsdauer soll 45 Min. nicht überschreiten.
Das Innentuch wird in nicht zu kaltes Wasser getaucht, nur mäßig ausgewrungen, um die Waden gelegt und festgezogen. Das Außentuch kann entfallen, um Wärmestau zu vermeiden. Zur Befestigung kann am oberen und unteren Rand der Tücher eine Binde angelegt werden. Mit einem Schuss Essig oder etwas Zitronensaft zum Wasser kann der Kühleffekt verstärkt werden. Zur Förderung des Einschlafens wird lediglich klares Wasser verwendet. Vor, während und nach den Wickeln ist Fieberkontrolle anzuraten. Wadenwickel sollen nicht bei Frieren und kalten Füßen angewendet werden.
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Medizinischer Teil: Apotheker K.-H. Reinhard. Alle Rechte vorbehalten, © 2001 |
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