Die Ausstattung der Hausapotheke
3. Traditionelle Hausmittel
Baldriantropfen
Die seit Jahrhunderten aus den Wurzeln des deutschen Baldrians hergestellte Baldriantinktur der Apotheker ist wohl das populärste pflanzliche Beruhigungsmittel. Sie hat eine bekannt milde Wirksamkeit bei nervösen Unruhezuständen, Schlafstörungen und Wetterfühligkeit. Die Dosierungsempfehlungen reichen von "20 Tropfen" als Einzelgabe bis zu "teelöffelweise". Baldriantropfen können auf Zucker getropft und gelutscht, aber auch rein oder mit etwas Wasser verdünnt eingenommen werden.
Franzbranntwein
Franzbranntwein ist ein ursprünglich von Weinbauern in Frankreich hergestelltes Destillat. Dieses Hausmittel enthält die in Wein vorkommenden ätherischen Öle in alkoholischer Lösung. Nach Einreibung schmerzender Hautpartien entsteht anfangs ein Kühl-, dann ein wohliges Wärmegefühl. Die Tiefenwirkung der ätherischen Öle bewirkt eine Anregung der Durchblutung der Hautgefäße, der Muskulatur und Schmerzlinderung im Bereich der Gelenke (volkstümlich "Rheuma"), aber auch bei Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen und Blutergüssen. Er darf nur bei intakter Haut eingerieben werden, da er bei offenen Wunden Brennen verursacht.
Da es kein einheitliches Rezept für Franzbranntwein gibt, empfiehlt es sich, ein gutes handelsübliches Präparat vorrätig zu halten, das in ausreichend hoher Alkoholkonzentration neben ätherischen Ölen wirksame Mengen von Menthol und/oder Kampfer enthält. Gute Franzbranntweinpräparate sind auch als "Gel" erhältlich. Diese haften länger auf der Haut, ihre Wärmewirkung hält mehrere Stunden an.
Melissengeist
Melissengeist stammt aus der klösterlichen Pharmazie des Mittelalters. Es handelt sich um ein alkoholisch-wässriges Destillat aus verschiedenen Arzneidrogen, die ätherische Öle enthalten. Diese werden vom Körper leicht aufgenommen und wirken beruhigend, krampflösend, keimwachstumhemmend, blähungstreibend und entzündungswidrig. Ätherische Öle sind vielseitig verwendbar. Vor allem z. T. seit mehreren hundert Jahren bekannte und bewährte Destillate können erfolgreich bei verschiedenen Befindlichkeitsstörungen derjenigen Organe angewendet werden, die durch das vegetative Nervensystem gesteuert werden. Ihre funktionsunterstützende und -regulierende Wirksamkeit tritt rasch ein und wird als "harmonisierend" empfunden.
Auch äußerliche Anwendung, z. B. bei migräneartigen Kopfschmerzen, ist sinnvoll, weil ätherische Öle von der Haut aufgenommen werden und rasch in der Tiefe wirken. Das ist dann wichtig, wenn die Wirkstoffe von Schmerztabletten wegen Brechneigung nicht mehr vom Magen aufgenommen werden. Da ein Großteil der Migräneschmerzen auf Krämpfen der kleinen Blutgefäße des Kopfes beruht, besteht gute Aussicht auf rasche Krampflösung und Nachlassen der Schmerzen.
Verschiedene Heilräuter zu "Tees"
Kamillenblüten sind als Hausmittel seit Jahrhunderten bewährt. Sie werden sowohl als "Tee" aufgegossen und bei Magenbeschwerden getrunken, als auch zur Inhalation bei Erkältungserscheinungen verwendet. Außerdem können sie als feuchte oder trocken-warme Kompresse aufgelegt werden. Sie sind eine empfindliche Arzneidroge, altern rasch und sollten deshalb nur in bedarfsgerechten Mengen vorrätig gehalten und kühl gelagert werden.
Pfefferminzblätter sind nicht nur im Sommer als Tee erfrischend und angenehm, sondern auch bei krampfartigen Magen-Darm-Galle-Beschwerden ein mild wirksames Mittel. Pfefferminztee sollte nicht zu stark angesetzt werden, da dann statt krampflösender Wirkung das Gegenteil, nämlich Krampfbildung, eintreten kann. Hier gilt, wie bei allen Arzneidrogen "oft geht vor viel", d. h. die häufigere Anwendung "dünner" Konzentrationen ist einer einmaligen Gabe von hoher Konzentration vorzuziehen. (Lindenblüten siehe unter "Mittel gegen Erkältungskrankheiten".)
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Medizinischer Teil: Apotheker K.-H. Reinhard. Alle Rechte vorbehalten, © 2001 |
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